Castingshows haben mittlerweile einen Nerv-Faktor erlangt, der den Nachmittagstalkshows in nichts nachsteht. Dennoch tun sich zwei Konzepte hervor, an denen kein Weg vorbeiführt: "Deutschland sucht den Superstar" um Dieter Bohlen und "Unser Star für Oslo" um Stefan Raab.

Dieter Bohlen versus Stefan Raab |
Während DSDS vor allem auf den Unterhaltungswert - auch auf Kosten der Kandidaten - setzt, haben die Castings von Raab den Anspruch, echte und authentische Künstler hervorzubringen. Scheinbar mit Erfolg, wie Max Mutzke und Stefanie Heinzmann beweisen.
Aber ist es denn tatsächlich humaner, Kandidaten ständig "Honig ums Maul" zu schmieren (wie bei Raab), um sie dann letztlich ganz genauso auf die Fresse fallen zu lassen, wie bei DSDS auch? Bohlen ist halt gnadenlos ehrlich, und das Geschäft knallhart. Mit Rumsülzen und Künstlerdünkeln wird es nicht leichter, im Gegenteil.
Und sind Kandidaten denn tatsächlich authentischer, nur weil sie in zerschlissenen Jeans statt Minirock auftreten? Internationale Topstars jedenfalls gehen da (sichtbar) andere Wege, und Jeans und Turnschuh sind doch längst zu Symbolen miefiger Biederkeit geworden. Revolutionär war das mal vor 30, 40 Jahren.
Aber möge jeder einmal selber vergleichen. Zufällig haben zwei der Favoriten von DSDS und "Oslo" den gleichen Song interpretiert:
"Change", interpretiert von Menowin bei DSDS (hier gucken)
"Change", interpretiert von Christian beim Oslo-Casting (hier gucken)
Hier zwei der bislang besten Interpretationen aus DSDS:
"Billie Jean", interpretiert von Menowin (hier gucken)
"Hello", interpretiert von Mehrzad (hier gucken)
Jetzt zwei herausragende aus dem Oslo-Casting:
"Heavy Cross", interpretiert von Jennifer (hier gucken)
"Mr. Curiosity", interpretiert von Lena (hier gucken)
Lena ist sicherlich sensationell, auch wenn ihre Songauswahl alles andere als "massenkompatibel" ist. Aber sie könnte wohl auch aus dem Telefonbuch vorsingen und würde trotzdem fesseln. Nur, - sein wir doch mal ehrlich:
Lena ist genial, wenn sie Lena ist. Aber was soll sie in Oslo? Der Grand Prix ist ein Schlagerwettbewerb, dafür braucht man zunächst mal einen guten, eingängigen Schlager (Hit), und dann jemanden, der ihn perfekt interpretieren kann. Lena? Das wird (einmal mehr) furchtbar in die Hose gehen. Keiner der Raab-Kandidaten (die alle auf ihre Weise großartig sind) ist dafür geeignet. Für diesen Zweck und diese Aufgabe wäre Bohlen und seine Jungs und Mädels mit Sicherheit die bessere Fraktion gewesen.
Inzwischen aber sind die Würfel gefallen, Lena kam, sah und siegte in Oslo (hier gucken)
Und auch bei DSDS wurde ein "Superstar" gefunden: Mehrzad Marashi