Lena Meyer-Landrut hat im Finale ihre ebenbürtige Konkurrentin Jennifer Braun "bezwungen" und wird jetzt Deutschland beim Grand Prix (oder neueuropäisch-anglizistisch "Eurovision Song Contest") in Oslo vertreten.
Zeit für ein kleines Resümee dieses Casting-Spektakels. Auch wenn Lena von Anfang an der heimliche Favorit war: Ihre Konkurrentin Jennifer Braun war im Finale so unglaublich stark, dass Lenas Sieg dann doch ein wenig überraschte. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass kostenpflichtige Telefonanrufe eben KEINE demokratischen Abstimmungen sind, keine Meinungsumfragen, sondern stark durch die jeweilige Fan-Base bestimmt werden. Im Falle von
DSDS macht dieses Konzept durchaus Sinn, denn ein "Star" lebt nicht unwesentlich von seiner Fan-Base.
Im Falle der Grand Prix Teilnahme, wo es nicht um Fans geht, sondern darum, ein fremdes Publikum innerhalb weniger Minuten zu überzeugen, ist dieses Konzept aber völlig fehl am Platz.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin Lenas größter Fan, sie ist klug, hübsch, talentiert und die Frau, die ich heiraten werde, aber sie ist definitiv nicht die richtige Kandidatin für Oslo. Jennifer Braun war eindeutig die bessere Sängerin und vielseitigere und professionellere Performerin.
Lena hat gute Chancen, mittelfristig ein Star zu werden, wenn sie einen guten, kongenialen Songwriter findet, der auf sie maßgeschneiderte Titel komponiert. Sie könnte eine neue Björk oder Kate Bush werden. Als Interpretin vorgefertigter Dutzendware, sprich "Schlager", ist sie aber völlig ungeeignet.
Hier auch meine Kritik an Raab: Wer hat bloß diese (vorgestellten) Titel ausgewählt? Billige Konfektionsware, ohne Signalwirkung, ohne Ohrwurmeffekt, ohne Dramatik. Absolut nichts, was ein Siegertitel haben müsste. Schade für Deutschland und schade auch für Lena.
Hier aber, für zum Gucken und Hören, der von Lena interpretierte Siegertitel:
Lena Meyer-Landrut - Satellite
Ganz nett, aber irgendwie wartet man dauernd auf den Refrain, und er kommt nicht ...
Das wäre mein Favorit für Oslo gewesen:
Jennifer Braun - I Care For You
Und hier kann man hören, was Lena kann, wenn ein Song wirklich zu ihr passt!
Lena - Mr. Curiosity
Als Nachtrag eine kleine Statistik
Lena ist mit Satellite auf Platz 1 der deutschen Singlecharts, und mit den anderen beiden Final-Titeln (Bee und Love Me) auf Platz 3 und 4. Sowas haben bislang nur absolute Superstars geschafft. Zumindest die Deutschen lieben sie. Und die Engländer offenbar auch, den bei den britischen Buchmachern wird sie auf Platz 5 vermutet. Immerhin.
Auch die inzwischen ermittelte Startnummer in Oslo (22) ist nicht ganz schlecht, denn die am Schluss auftretenden Interpreten bleiben beim Publikum besser in Erinnerung.
Warten wir ab, was die ehemaligen Sowjet-Satelliten zu "Superlena" sagen. Die werden vermutlich wieder mit kurzen Röcken und großen Stimmen antreten.