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Beraterjobs: Das neue Korruptions-Modell?

In diesem Blog wurde ja schon oft darauf hingewiesen, was ich von den sogenannten "Berater-Jobs" unserer Politiker halte.
 
Ex-Kanzler Schröder arbeitet, nachdem er sich zu seiner Amtszeit für russisches Erdgas stark gemacht hatte, jetzt bei der russischen Gazprom. Weil man diesen hochbezahlten Job aber offenbar quasi nebenbei machen kann, hat er noch zahlreiche weitere, ebenfalls gut bezahlte "Berater-Jobs" inne. Nicht umsonst war er der "Genosse der Bosse".
 
Ex-Kanzler Kohl stand (zusammen mit Waigel, Schwarz-Schilling, Möllemann und weiteren) auf der Gehaltsliste des Medienmoguls Kirch, für dessen Geschäfte die Kohlregierung den Weg ebnete. Über 300.000 Euro gabs dafür, pro Kopf und Jahr. Quasi für "beratende" Nebentätigkeit neben dem Regieren. Kohl ist ja studierter Historiker, und vermutlich war das sehr hilfreich, um ein modernes Medienimperium zu beraten ;-)
 
Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement "berät" Leiharbeitsfirmen. Eine Branche, die er zu seiner Amtszeit explizit förderte, eine Branche, die mitverantwortlich für Lohndumping, Entlassungen und sinkende Reallöhne ist. Clements Lohn ist dabei allerdings NICHT gesunken. Jüngst machte er noch mal von sich reden, indem er, im Dienste der ihn ebenfalls großzügig bezahlenden Atomlobby, davon abriet, seine eigene Partei (SPD) zu wählen!
 
Ex-Innenminister Schily, der auch heute noch mit seinen faschistoiden Sicherheitsvorstellungen nervt, ist an einem Sicherheitstechnik-Unternehmen beteiligt, das unter anderem biometrische Ausweise herstellt. Da lohnt es sich natürlich so richtig, wenn diese, wofür er federführend wirkte, flächendeckend eingeführt werden. Nebenbei macht Schily auch noch von sich reden, weil er sich weigert, seine immensen Nebeneinkünfte aus Aufsichtsratstätigkeiten etc. offenzulegen. Aufsichtsratstätigkeit heißt im Prinzip, dass man seinen guten Namen - für viel Geld - dafür hergibt, dass schon alles seine Richtigkeit haben wird.
 
Eine andere, ebenfalls beliebte Vorgehensweise ist, vormals nervige Politiker mit guten Job-Angeboten zum Schweigen zu bringen:
 
Matthias Berninger von den Grünen, der im Verbraucherministerium Kampagnen für gesunde Ernährung machte, ist jetzt Lobbyist für Süßwarenhersteller Mars.
 
Marianne Tritz, ebenfalls Grüne, der Partei also, die sich am stärksten für Rauchverbote einsetzte, ist jetzt Cheflobbyistin des Verbands der Zigarettenindustrie! [ClickPix]
 
Kommentar:  Wie heißt es so schön: Geld stinkt nicht. Das eigentlich Unglaubliche an dieser ganzen Sache ist deshalb, dass sich irgendwie niemand daran zu stören scheint, ja dass in der Presse, wenn überhaupt, bestenfalls mit einem Augenzwinkern über solchen Ausverkauf von Politik und Demokratie berichtet wird. Liegt's vielleicht daran, dass sich die (früher mal unabhängige) Presse ebenfalls längst an Medienkonzerne und Werbekunden verkauft hat?
 
Siehe auch EU-Skandal
 
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ist eigentlich nur, wieviel unglaubliches sich täglich ereignet, und niemand wundert sich mehr darüber.