Unser Kanzlerkönig in Spe ist zurückgetreten. Volkstrauertag ist angesagt. Und auch wir Satiriker trauern. Ganz ehrlich. Wenn jetzt auch noch Westerwelle zurücktritt, dann sind wir praktisch arbeitslos. Man kann schließlich nicht von morgens bis abends auf der Merkel rumhacken.
 Guttenbergs Waterloo |
Und worüber er letztlich gestolpert ist: Ein gekaufter Doktortitel.
Das erinnert an Al Capone, den man nicht wegen all seiner Leichen im Keller, sondern nur wegen Steuerhinterziehung drankriegte. Eine ganz fiese juristische Manipulation, jawohl!
Und überhaupt, vermutlich ist doch jeder zweite Doktortitel in Politik und Wirtschaft gekauft oder zumindest unter dubiosen Umständen zustande gekommen. Wenn man alleine mit zwei Buchstaben als Namenszusatz - statistisch betrachtet - ca. 1000 Euro mehr im Monat verdienen kann, und eine gut 10 mal höhere Chance hat, in Wirtschaft oder Politik Karriere zu machen, dann lohnt da schon eine kleine "Investition" in die Zukunft. Hochqualifizierte aber arbeitslose Akademiker als Ghostwriter hat es schließlich wie Sand am Meer. Und auch die Universitäten brauchen dringend Geld. Letztlich tut man also sogar was Gutes, wenn man einen Doktortitel "erwirbt".
Gegner von Guttenberg (mögen diese pietätlosen Vaterlandsverräter bei lebendigem Leib verfaulen) behaupten gerne, er wäre ein Hochstapler. Was für ein Unsinn. ALLE Politiker sind Hochstapler. Überbezahlte Laiendarsteller, die keinen blassen Schimmer von dem haben, was sie tun, aber stets souverän und dynamisch auftreten und von Redenschreibern und Image-Beratern ausgearbeitete Sprechblasen in Kameras absondern. Nein, Guttenberg ist nicht irgend ein Hochstapler; er ist der Beste von allen:
DER Hochstapler par excellence. Er zeigte dem politischen Fußvolk, wo es lang geht und wie man es macht.
Der Doktortitel war dabei nur eine fatale Fehlinvestition. Viel wichtiger und entscheidender war es, sich die Bildzeitung zu kaufen. Und einen kleinen Hofstaat von Provinzreportern, abgehalfterten Talkmastern und einer Adelsschwester als Biografieschmiererin um sich zu scharen. Um sich dann als lebendig gewordene Kunstfigur aus einem Pilcherroman zu inszenieren,
als adlige Lichtgestalt zur Rettung des Abendlandes.
 Lichtgestalt Guttenberg |
Und Regenbogenpresse ebenso wie das gemeine Volk waren happy. Wenn wir schon kein Königshaus haben, dann wenigstens einen Guttenberg. Der hat zwar keine Ahnung von Politik, aber wir doch auch nicht. Dafür ist er aber schön und adlig, und außerdem noch so wahnsinnig sympathisch. Wie der immer in die Kameras lächelt, mit diesem unnachahmlichen Dackelblick ...
Aber allen ehrlich mitfühlenden Menschen im Lande zum Trost: Guttenberg kommt wieder. Er wird, wie einst Phönix aus der Asche, wiederauferstehen, noch schöner, noch strahlender, als neuer Messias der Politik. So viele andere haben es vorgemacht:
Adolf Hitler, Fidel Castro, Franz Josef Strauß, alle waren sie zwischenzeitlich zurückgetreten oder gar verhaftet worden, um dann aber umso mächtiger und strahlender zurückzukehren.
Freuen wir uns darauf. Wir Satiriker jedenfalls - ganz ehrlich - können es kaum erwarten! [clickpix]