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Goethe über seinen (leidenden) Werther[04.08.2012]

Ein überraschendes Gedicht, das zeigt, dass Johann Wolfgang von Goethe alles andere als ein abgehobener Schöngeist war. Bei diesen Reimen handelt es sich um eine Retourkutsche an den Satiriker Nicolai, der sich seinerseits an den (auch für damalige Verhältnisse etwas sentimentalen) "Leiden des jungen Werthers" von Goethe vergriffen hatte.
Goethe in der römischen Campagna (c) Duckomenta
Goethe in der Entenhausener Campagna
Freuden des jungen Werthers
 
Ein junger Mensch, ich weiß nicht wie,
Starb einst an der Hypochondrie
Und ward denn auch begraben.

Da kam ein schöner Geist herbei,
Der hatte seinen Stuhlgang frei,
Wie's denn so Leute haben.

Der setzt' notdürftig sich aufs Grab
Und legte da sein Häuflein ab,
Beschaute freundlich seinen Dreck,
Ging wohl eratmet wieder weg
Und sprach zu sich bedächtiglich:

"Der gute Mensch, wie hat er sich verdorben!
Hätt er geschissen so wie ich,
Er wäre nicht gestorben!"
 
 
Johann Wolfgang von Goethe ["leidender Werther"]
 
[ Autor/Uploader: Dr. Freund ]
 
Kommentar:  Bei vielen Gedichten möchte man ja vor Fremdscham im Boden versinken. Nicht so bei unserem Goethe, der es von jeher verstand, Klugheit und Bodenständigkeit, Weisheit und Witz unter einen Hut zu bringen.
 
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